Alle Jahre wieder

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Alle Jahre wieder

Beitragvon Alter_Mann » Mi 7. Dez 2016, 00:27

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Alle Jahre wieder erstrahlt die Bahnhofstrasse im Dezember im vorweihnachtlichem Glanz.
Der Sternenschmuck an den Laternen und der Weihnachtsbaum vor dem Rathaus sind inzwischen zur
Tradition geworden. Meine Frau und ich finden den Baum in diesem Jahr besonders gut gelungen.
Die Tanne ist sehr schön gewachsen und die Lichterkette ist wunderschön um den Baum gelegt worden.
Meine Frau und ich möchten uns auf diesem Wege bei allen mit der Herstellung des Schmucks beteiligten
Mitbürgern bedanken und unser Lob aussprechen.

Frohe Vorweihnachtszeit wünscht
der alte Mann.
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Re: Alle Jahre wieder

Beitragvon KarstenWL » Mi 7. Dez 2016, 00:52

Hey, dich gibts ja noch. Ich wünsche euch ebenfalls ein schönes Weihnachtsfest.
Tschau

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Re: Alle Jahre wieder - Die Ansprache

Beitragvon Robin Hut » Do 8. Dez 2016, 16:06

Hallo Bürgerfreunde,
es folgt, "Die Ansprache":

Der ''neue Bundespräsident'' hat geschrieben:
Sehr geehrter Herr Bundestagspräsident,
Frau Bundeskanzlerin, Herr Vizekanzler, meine geehrten Damen und Herren Abgeordnete,
hohes Haus.

Ich habe lange Zeit nachgedacht, wie man diese Zeit am besten beschreiben könnte. Als Bundespräsident, dem ja nur die Macht der Worte gegeben ist, sucht man förmlich nach aufrüttelnden Worten, die dem Zeitgeist zuwider laufen und Ungerechtigkeiten anprangern. Als Bundespräsident soll ich zu der Gesellschaft, der Zeit und der Politik Stellung beziehen. So will ich mich dieser Verantwortung nicht entziehen und schmettere allen drei soeben genannten Institutionen entgegen: „Dies ist die Seuche unserer Tage: Verrückte führen Blinde.“ Nicht wahr, Frau Bundeskanzlerin, Herr Vizekanzler?

Dieser Satz stammt von niemand Geringerem als William Shakespeare. Er prangerte damit die Dekadenz, die Anmaßungen einer feudalherrschaftlichen Herrschaftselite an, die von Korruption und Intrigen versetzt war und den Pöbel mit Brot und Spiele zu Tode sedierte. Genauso wie heute. Auch heute schwindet das Interesse an Politik, weil viele das Gefühl haben: „Ach es bringt ja doch nichts!“ Meine Damen und Herren, ich glaube dieses Gefühl ist gewollt von unseren Herrschern.

Frau Merkel, ich persönlich halte sie, wie ihre drei Vorgänger, für den Sargnagel unserer Demokratie. Sie thronen auf ihren ewig, gleich phantasielosen Sprechblasen und veröden das Land intellektuell. Man könnte von „Verblödung“ sprechen, ich sage lieber, zusammen mit Dieter Hildebrand, „Entklugung“ zu diesem Vorgang. Sie treiben ein Programm der Entpolitisierung voran, welches nur in einer Auflösung unserer Demokratie enden kann. Nun stehen wir wieder, zusammen mit Shakespeare, vor einer von oben regierten Feudalherrschaft. Was bleibt mir, der keine andere Macht als die der Worte besitzt, Anderes übrig, als ihrem machtpolitischen Kalkül zu trotzen und diesem entgegenzuhalten: Sie, Frau Merkel, sind die Seuche unserer Tage.

Doch sind sie nicht verrückt! Sie sind, so wie wir alle, blind. Damit meine ich: Sie regieren ja nicht. Ihnen fehlt der Wille zur Gestaltung, sie wollen nichts verändern. Ihre Regierung ist der Sachverwalter der gesellschaftlichen Ordnung im Sinne der Reichen und wahrhaft Mächtigen. Sie, Frau Merkel, sind nichts weiter, als eine Marionette ohne Vision, die dieses Land voranbringen könnte. Damit sind Sie keinesfalls alleine. Dieselben Phänomene finden sich in jeder Partei.

Zum Beispiel der Grünen, welche ihre Glaubwürdigkeit, ihren Reformeifer, ihren Pazifismus zusammen mit Petra Kelli begraben haben. Ich finde, es wird Zeit die gesamte Partei auf den Komposthaufen der Geschichte zu werfen.

Oder denken wir an Ihre Partei, Herr Vizekanzler. Denken wir an die SPD- wobei?! Besser nicht, sonst kommen mir noch die Tränen. Nachdem die SPD 1914 die Kriegskredite bewilligte, hat sich wohl weder Rosa Luxemburg, noch Karl Liebknecht für die Genossen der Sozialdemokratie eine so grausame Strafe ausdenken können wie der von Schröder eingeschlagene Parteikurs, den sie weiterverfolgen. Früher kam aus den Reihen ihrer Partei der „Lotse“ Helmut Schmidt, nun sitzen die Geisterfahrer am Steuer.

Über die FDP braucht man gewiss kein Wort zu verlieren, über Tote redet man bekanntlich nicht schlecht, also kommen wir zur Linken. Zu dieser Partei fällt mir nur ein Satz von Kurt Tucholsky ein, den er mal über die SPD verlor. Ich zitiere leicht abgeändert: „Es ist ein Unglück, dass die Linkspartei das Attribut „Links“ in ihrem Namen trägt. Hieße sie doch wenigstens „Reformistische Partei“ oder „Partei des kleineren Übels“ oder „Hier können Familien Kaffee kochen“ oder so etwas. So macht aber der alte Laden seine schlechten Geschäfte unter einem ehemals guten Namen.“

Wobei Sie, Herr Gysi, noch, quasi wortwörtlich, das kleinere Übel sind, da man hier noch der Hauch eines Gestaltungswillens erkennbar ist. Bleibt die Frage, wie lange dieser nach Beginn der rot-rot-grünen Koalitionsverhandlungen noch existiert.

Ich habe eine Vision für dieses Land. Ich träume davon, dass ein Parteivorsitzender, egal ob links, sozialdemokratisch, liberal oder konservativ, an ein Pult tritt und laut und vollkommen ernst ausruft: „Statt das Große und Ganze in Angriff zu nehmen, treiben wir uns gegenseitig in den Wahnsinn und belügen seit Jahren das Volk. Was wäre, wenn wir unsere Popularität nicht deswegen verlören, weil wir Arschlöcher sind, sondern weil wir große gesellschaftliche Aufgaben vollbringen wollen?“

Nun gut, ich bin nicht von Gestern. Ich weiß warum dies keiner sagen wird. Wobei- einer hat es gewagt. Der ungarische Ministerpräsident Gyrusány in einer Rede im Jahre 2006. Als Antwort darauf haben ihm seine Parteigenossen die Pest an den Hals gewünscht. So schnell kann es gehen, wenn man sich einem nicht mehr zeitgemäßen System entgegenstellt.

Ich bin mir der Bedeutung dieser Worte wohl bewusst. Sie sind bewusst so übertrieben und polemisch verfasst. Ich will hier keinen kränken oder gar beleidigen. Mit meinen harten Worten will ich lediglich den verschnarschten Politikbetrieb und das, zu Tode sedierte und gelangweilte, Volk aus ihrem Dornröschenschlaf wachrütteln. Es wird Zeit, dass wir Parteiräson und den Fraktionszwang überwinden und zu einer wahren, ehrlichen Streitkultur gelangen. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie sehr mich das alltägliche Schmierentheater in diesem Hohen Hause nervt. Nur einmal will ich es erleben, dass hier die Parteizugehörigkeit in Vergessenheit gerät. Es ist ja kein Geheimnis: Die SPD klatscht nur, wenn einer von der SPD redet. Die CDU klatscht nur, wenn jemand von der CDU redet. Die Grünen klatschen nur, wenn jemand von den Gründen redet. Und die CSU klatscht nur beim Starkbieranstich im bayrischen Bierzelt. Hier findet keine ehrliche und offene Diskussion statt, die unser Land voranbringen könnte. Nein! Hier werden Wahltaktische Manöver gefahren, immer in der Spur, die der Fraktionsvorsitzende vorgegeben hat. Oberstes Mantra eines Abgeordneten: Alle Gegner mit Dreck bewerfen, irgendetwas bleibt schon hängen!

Über diesem „Kleinklein“ der täglichen Politcomedy, welches den Autoren der „Heute Show“ langsam ihre Arbeit streitig macht, thronen die wahrhaft Mächtigen im Land: diejenigen, die mit diesem Land wirklich noch etwas vorhaben und uns dies täglich von ihren Hofschranzen verlautbaren lassen.

„Jeder ist seines Glückes Schmied“- „Fördern und Fordern“- „Eigenverantwortung“

Dies sind die Schlagworte, mit denen der Systemwechsel betrieben wird. Von einer sozialen Marktwirtschaft gehen wir in einen entfesselten Kapitalismus der neoliberalen Ideologie ein. Totale Marktgläubigkeit kennzeichnen Politik, Leitende aus Wirtschaft und Medien. Dem Spiel der Kräfte wird so alles überlassen, egal welche katastrophalen Auswirkungen dies auf unsere Gesellschaft hat. Die Reallöhne stagnieren, die Mieten werden unbezahlbar, nicht mehr der Staat sorgt für die Infrastruktur, sondern private Investoren. Hartz IV. Empfänger verkommen zu einem Menschenopfer für Wachstum, die Deutsche Bank bezeichnet sie längst als „totes Humankapital ohne Rendite“. Die Renten sinken immer weiter, viele alte Menschen können ihren Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten. Immer mehr, nicht nur Banken, werden dereguliert. Alles verkommt zu einer Ware: das Geld, die Umwelt, ja selbst der Mensch, wie wir sahen.

Profitieren werden von diesen Ereignissen Wenige. Die das machen, haben genug Geld um Werbeverlage zu kaufen, welche uns Normalmenschen vorgaukeln, dies alles sei nur zu unserem Besten. In einem globalisierten Markt muss man sich eben mehr anstrengen, eine Einkommensgarantie existiert für niemanden, außer für diejenigen, die genug Geld besitzen, um damit Lobbygruppen zu sponsern. Unter dem Druck der Printmedien wie der Politik, die auf das Fernsehprogramm Einfluss nehmen wollen, mutieren selbst die öffentlich-rechtlichen Nachrichten zu einer Klatsch-und-Tratsch Orgie, in denen die niederen Gelüste der Sensationsgeilheit vollends befriedigt werden. Hier gibt es auch keine Opposition mehr, zumindest keine, welche genug Einfluss hätte um das Schlimmste zu verhindern. Der Philosoph Jürgen Habermas hat für jeden verständlich formuliert, etwas, was Habermas eher ungewöhnlich ist, woran unseren Nachrichten erkrankt sind: „Merkel- Frömmigkeit“. Jeder der sich der gängigen Meinung in den Weg stellt ist entweder „Linksradikal“, ein „unverbesserlicher Gutmensch“, ein „Verschwörungstheoretiker“ oder „eine wohlstandsbesoffene Heulsuse“. Dank diesen Diffamierungen werden den Nutznießern dieses Systems kein Haar gekrümmt.

Dass dies keine Verschwörungstheorie ist, sehen wir am besten in der Ukraine. Was haben diese Menschen nur erhofft? Eine wahrhafte Demokratie, am besten im Sinne Adornos, in der nicht alle gleich sind, sondern in der man ohne Angst verschieden sein darf.

Was ist daraus geworden? Eine rechtskonservative Oligarchie. Von Schwulen- und Minderheitenrechten halten die Machthaber in Kiew so viel wie die im Kremel. Doch wer hat die Fäden in der Hand, an denen die Ukraine hängt? Putin? Obama? Prodoschenko? Nein. Unter Anderem Peer Steinbrück.

Der ehemalige Finanzminister aus den Reihen der SPD ist nun finanzpolitischer Experte eines Think-Thanks, welche über die Zukunft der Ukraine berät. Dabei wird besonders darauf Acht gegeben, dass ausschließlich neoliberale Politikgrößen eingeladen werden. Ein Keynsianer würde wahrscheinlich den drei Sponsoren dieses, von allen europäischen Ländern sehr gewürdigten, Projekts wohl nicht gut tun. Dies sind nämlich die drei mächtigsten und reichsten Oligarchen der Ukraine, welche allesamt für ihre guten Kontakte zur Russenmafia bekannt sind.

Diese, nach Profit, Gewinn und nach „immer mehr“ Verrückten, führen uns Blinde in einen Abgrund. Vielleicht werden wir hineinfallen, vielleicht werden wir den Crash verhindern können. Dafür dürfen wir aber nicht die „Alternativlosigkeit“ heraufbeschwören, sondern müssen endlich anfangen, über unser Leben, unseren Staat und unsere Gesellschaft neu nachzudenken. Es darf keine Tabus geben, außer jenen, die in Fremdenfeindlichkeit oder Antisemitismus abdriften würden.

Wie das zu bewerkstelligen ist?

Nun, meine Damen und Herren außerhalb der Schnarchstube, die wir „Bundestag“ nennen: durch die Wahl. Wir sind die größte Demokratie dieses Kontinents, nur durch die Wahl können wir Einfluss nehmen auf die Politik. Nicht wählen, das bringt nichts. Aber die Stimme ungültig machen- das wäre ein Zeichen für unsere Politiker. Das ist mein Traum: 100 Prozent Wahlbeteiligung, 5 Prozent gültige Stimmen. Daran kann keine Partei dran vorbei gehen. So können wir den verstaubten Parlamentarismus in diesem Land gehörig in den Arsch treten.

Meine Damen und Herren,

Herr Bundestagspräsident, Frau Bundeskanzlerin, Herr Vizekanzler,

meine sehr geehrten Abgeordneten,

ich will meine Rede beenden mit einem Zitat des Kabarettisten Dieter Hildebrandts: „Das Hohe Haus möge mir meine Leidenschaft verzeihen, ich hätte ihnen die ihrige auch gerne verziehen. Vielen Dank!“
Die Quelle:
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