Eine Milliarde Subvention für Massentierhaltung

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Eine Milliarde Subvention für Massentierhaltung

Beitragvon Lui » Sa 3. Sep 2011, 02:42

Das Tier-Elend in deutschen Agrarfabriken wird pro Jahr mit 1,04 Milliarden Euro subventioniert – diese erschreckende Zahl rechnete jetzt der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) aus. Besonders spendabel sei dabei die Europäische Union. Folgen wie Umweltbelastungen, Monokulturen oder Leid in den Ställen ignorieren Brüssel und Berlin demnach ohne mit der Wimper zu zucken.

BUND-Chef Hubert Weiger wird sauer, wenn er von den Zuständen in der Massentierhaltung spricht. "Nach den Wende wurden die Gülleseen gezeigt. Die Not der Tiere hat sich verschlimmert, aber jetzt ist das legalisiert, weil es im Kapitalismus stattfindet". 99 Prozent des in Deutschland produzierten Fleischs sei "konventionelle undefinierte Ware". Allein für Brandenburg verzeichnet das Statistische Landesamt im ersten Halbjahr 2011 insgesamt 861.000 geschlachtete Schweine. Der BUND schätzt, daß zwei Drittel aus Intensivhaltung stammen: Ställe, in denen beißender Ammoniakgestank herrsche, sich Krankheiten rasant ausbreiten und die Schweine etwa 0,8 Quadratmeter zur Verfügung hätten.

Vielsagend: der BUND fragte bei allen Bundesländern auch nach Förderung von tiergerechter Landwirtschaft; erhielt fast durchweg keine oder nur nichtssagende Antworten.

Zustände, für die der BUND auch die EU mitverantwortlich macht. Rund 950 Millionen Euro an Direktzahlungen fließen demnach in den Anbau von Futtermitteln für Mastschweine, Masthühner und Puten. Weitere 80 Millionen zahle Brüssel für den Neubau von Mastanlagen. Noch einmal 20 Millionen Euro EU-Geld gebe es für Exportsubventionen, denn die Union produziert 10 Prozent mehr Schweine und 4 Prozent mehr Hühner, als verbraucht werden. 2008 erhielt demnach allein das in Brandenburg ansässige Unternehmen Doux Geflügel 4,7 Millionen Euro Subventionen, 2009 die Tönnies Fleischwerk GmbH in NRW 3,3 Millionen. Begründet werden diese Zahlungen zumeist mit dem Argument Arbeitsplätze. Der BUND sieht dagegen ein mitfinanziertes Oligopol von Schlachtereien und Megabetrieben. "Am Ende zahlt der Landwirt drauf, der nur noch Sklave der Agrarindustrie ist", schimpft Weiger.

Die indirekten Kosten sind offenbar noch höher. Von den überdüngten Felder für Futtermittel fließen demnach Stickstoffe ins Grundwasser, müssen von kommunalen Wasserversorgern wieder herausgefiltert werden. "Diese Kosten werden über die öffentlichen Haushalte der Länder finanziert", so Weiger. Die BUND-Agrarexpertin Reinhild Benning verweist außerdem auf "massiven Antibiotika-Einsatz" , deren Reste über Fäkalien in den Boden gelangen. Auch die Ammoniak-Emissionen stammten zu 65 Prozent aus der Massentierhaltung; eine EU-Vorgabe zur Senkung dieser Abgase verletze Deutschland und riskiere gerade ein teures Vertragsverletzungsverfahren.


Mehr:
http://www.berlinerumschau.com/news.php ... 1314686308
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Re: Eine Milliarde Subvention für Massentierhaltung

Beitragvon Grille » Mo 5. Sep 2011, 16:58

Hier die Original-Pressemitteilung des BUND vom 29.08.2011:
http://www.bund.net/nc/bundnet/presse/p ... tion-bund/

und hier die komplette BUND-Recherche zur staatlichen Förderung der Schweine- und Geflügelproduktion in den Jahren 2008 und 2009 -August 2011:
http://www.bund.net/fileadmin/bundnet/p ... altung.pdf
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Re: Eine Milliarde Subvention für Massentierhaltung

Beitragvon Grille » Mo 5. Sep 2011, 17:37

Dazu noch folgender Artikel vom 28. August 2011 - Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt:

http://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/massentierhaltungs-psychologie hat geschrieben:
Massentierhaltungs-Psychologie

Wir beobachten seit mehreren Jahren ein besorgniserregendes Phänomen: Während Intensivtierhalter der älteren Generationen sich oft für das schämen, was sie tun (zumindest wenn man sie mit den Zuständen in ihren Ställen konfrontiert), haben jüngere Massentierhalter oft kein Problem damit, ihre Praktiken in der Öffentlichkeit zu verteidigen. Manche von ihnen scheinen sogar regelrecht stolz auf das zu sein, was sie tun.

Wie können diese Menschen trotz der immensen Leiden, die sie über unzählige Tiere bringen, ruhigen Gewissens schlafen? Diese Frage hat sich das US-Magazin »The Atlantic« im Artikel The Dangerous Psychology of Factory Farming gestellt. Die Erklärungen dafür sind ebenso einfach wie überzeugend:

1. Während vor der Ausweitung der Massentierhaltung das einzelne Tier noch im Mittelpunkt stand und die Bauern viel Zeit im individuellen Kontakt mit den Tieren verbrachten, geht das einzelne Tier in der Intensivtierhaltung in einer anonymen Masse unter. Traditionelle Bauern wussten und wissen, dass jedes Tier ein Individuum mit eigenem Charakter und eigenen Zu- und Abneigungen ist. Der moderne Massentierhalter gibt seinen Tieren dagegen keine Namen mehr, sondern Nummern – und je nach Tierart noch nicht mal mehr das.

2. Die Verwissenschaftlichung der Tierhaltung wirkt wie ein Katalysator für diese Entwicklung. Bei einem traditionellen Bauern fressen die Tiere. In der Intensivtierhaltung »konvertieren« bzw. »veredeln« sie Futter zu Fleisch, Milch und Eiern. Dass es seinen Tieren angeblich gut geht, liest der moderne Massentierhaltern an Kenngrößen ab: Futter- und Wasserverbrauch liegen im normalen Bereich, die »Mastleistung« stimmt, die Mortalitätsrate ist nicht höher als das, was als üblich angesehen wird. Ergo ist mit den Tieren – oder besser: »dem Tiermaterial« – alles in Ordnung.

Diese psychologischen Mechanismen erlauben es vielen jungen Massentierhaltern, die Leiden ihrer Tiere komplett auszublenden. Dass ältere Massentierhalter oft noch ein schlechtes Gewissen haben, dürfte daran liegen, dass sie als Kinder noch persönliche Beziehungen zu Tieren aufgebaut haben und daher wissen, was die Massentierhaltung den Tieren antut.

Anmerkung: Traditionelle Formen der Tierhaltung dürfen nicht idealisiert werden. Sie sind nicht automatisch besser als die Intensivtierhaltung.
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